Der Remanenzeffekt: Warum ältere Menschen so viel Wohnfläche haben — und was das ändern kann

Wohnungssoziologen nennen es den Remanenzeffekt: Haushalte verkleinern ihre Wohnfläche nicht, wenn Kinder ausziehen oder der Partner stirbt — sie behalten den einmal etablierten Wohnraum bei. Die Zahlen des Mikrozensus zeigen das Ausmaß: Menschen ab 65 verfügen über durchschnittlich 68,5 Quadratmeter pro Kopf, Alleinlebende dieser Altersgruppe über 83. Zum Vergleich: In Mehrpersonenhaushalten mit vier und mehr Personen sind es 29,9 Quadratmeter.
Warum niemand umzieht
Der Effekt ist ökonomisch rational: Wer seit Jahrzehnten in derselben Wohnung lebt — 61 Prozent der Haushalte 65+ wohnen seit mehr als 23 Jahren dort — zahlt eine alte Bestandsmiete. Eine kleinere Neubauwohnung wäre absolut gesehen oft teurer. Dazu kommt die emotionale Bindung: das vertraute Viertel, die Nachbarn, die Erinnerungen. Appelle zum „Downsizing" laufen deshalb ins Leere.
Die dritte Option: teilen statt umziehen
Zwischen „alles behalten" und „alles aufgeben" liegt ein dritter Weg: ein einzelnes Zimmer abgeben — gegen faire Miete und verlässliche Alltagshilfe. Die Wohnung bleibt das eigene Zuhause, die Fläche wird wieder genutzt, und in den Flur kehrt Leben zurück. Volkswirtschaftlich ist das die schnellste Art, Wohnraum zu aktivieren: Er ist schon gebaut.
WohnTandem organisiert genau diesen Weg — mit Begleitung durch Sozialdienste, geprüften Interessent:innen und schriftlichen Vereinbarungen. Ohne Direktkontakt zwischen Fremden, ohne Adressweitergabe vor dem moderierten Erstgespräch, und immer ohne Pflege: Die übernehmen externe Fachleute.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Haushalte 65+ haben pro Kopf den meisten Wohnraum
- IW Köln: Kohorteneffekte und Wohnflächenkonsum